Mut zum Leben

Datum: 

29.10.2012

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Liebe Hörer,

neben mir in der Kirche sitzt eine  alte Frau. Ich kenne sie, sie ist Witwe. Ich weiß, dass sie wenig Geld hat. Sie weiß es zu verbergen. Aber ihre Rente ist klein. Es ist mir fast peinlich als ich den Klingelbeutel weiterreichen muss. Aber sie lächelt mich an. Und dann kramt sie einen Hundert Euro Schein aus ihrem Geldbeutel. Mir stockt der Atem. Am liebsten würde ich ihn ihr aus der Hand nehmen. Hundert Euro, das muss so ziemlich alles sein, was sie in dieser Woche zum Leben hat. Ich gebe zu: ich habe diese Geschichte nicht selbst erlebt. Ich habe sie erzählt bekommen, schon als ich noch klein war. Sie steht in der Bibel. Da berichtet Jesus von einer Frau, die zwei Scherflein in den Gotteskasten legt. Alles, was sie zum Leben brauchte, gab sie den Armen. Als Kind habe ich mich immer gefragt, wie die Geschichte weiterging. Ob sie sehr hat hungern müssen? Am liebsten hätte ich ihr das Geld zurück gegeben. Aber ich hatte auch immer ein klares Bild vor Augen nämlich wie sie lächelnd und zufrieden vorbeiging.

In diesen Tagen wird viel über Geld geredet. Über höhere Versicherungsbeiträge, über steigende Strompreise, über die Preise in den Geschäften. Viele haben Angst vor der Zukunft. Wie soll ich das bloss mit meiner kleinen Rente bezahlen? Ich muss an die Frau denken. Sie ließ sich von ihrer Angst nicht einfangen. Jesus erzählt von der Frau, damit der Mut in unserem Leben größer wird als die Angst. Ich wünsche Ihnen einen ganz guten Start in den Tag,

ihr evangelischer Pfarrer Stefan Stauch aus Sennfeld!